Das Hotelwesen in Barcelona steckt in der Krise. Betroffen von weltweiter Zurückhaltung beim Geldausgeben und bei der Vergabe von Krediten, werden erste Maßnahmen angekündigt.
Ein paar Zahlen¹ zur Einstimmung:
25% weniger Einnahmen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum
Auslastung auf dem Stand von 1993 (bisher größte Krise)
6% mehr Hotelzimmer jedes Jahr in den letzten 20 Jahren
7 – 8,3% Belegungsrückgang im Jahr 2008 (auf 71,2% total)
voraussichtliche 15% Belegungsrückgang im Jahr 2009
voraussichtliche 50% Belegungsquote im Jahr 2009
63% Belegungsquote im ersten Trimester 2009
unter 55% Belegungsquote verdient ein Hotel nichts
erwartete 3578 neue Hotelzimmer 2009 (die Hälfte im 5-Sterne-Sektor)
15% Preisverfall in den ersten vier Monaten 2009
26% Gewinnrückgang im ersten Trimester 2009 (2008: -10%)
außerdem: 48% weniger Passagiere am Flughafen Barcelona von Januar bis April 2009 im Vergleich zum Vorjahr
Der Vorsitzende des Hotelgremiums Barcelona, Jordi Clos, weisst in einem Interview mit der Zeitung ADN den Vorwurf eines Überangebotes kategorisch zurück: “Dank des großen Angebotes kann Barcelona große Kongresse und Messen veranstalten”. Ich frage mich welche? Bread & Butter ist in Berlin Tempelhof gelandet, SEAT (ja, die lokale Automarke der Volkswagengruppe) hatte angekündigt der Automesse fernzubleiben – gewann dann aber überraschenderweise genau dort große Aufmerksamkeit. Wird das nächstes Jehr wieder genauso “hingebogen”? Das Summercase und weitere Musikfestivals fallen dieses Jahr aus.
Ein wenig off topic:
Trotzdem wird es weiter neue Hotels in Barcelona geben, wie das Hotel Vela, direkt am Strand von Barcelona (siehe diesen QuisQuis-Post) – interessant hier ist die polemischen Diskussion über Lage und Architektur (siehe den spanischen Post auf dem Mariscal Blog).
Das Hotel, desses Namen Vela (= Segel), die Form des Baus widerspiegelt, öffnet am 1. Oktober mit 473 Zimmern (davon 63 Suites) und ist Barcelonas 19. 5-Sterne-Hotel. Es liegt direkt am Wasser, allerdings im Hafengebiet. Nur dort sind Gebäude innerhalb der ersten 100 Meter vom Wasser her erlaubt, nämlich bei 20 Metern. Dieses ist im Küstenschutzgesetz festgelegt und betrifft auch die Chiringuitos (Strandbars), welche somit praktisch illegal errichtet wurden. Nicht genug der Polemik: das Gebäude sollte 178 Meter hoch werden, das Ayuntamiento de Barcelona (Rathaus) erteilte die Genehmigung für ein 99 Meter hohes Bauwerk, um die Skyline Barcelonas nicht zu verschandeln (nun, Schönheit entsteht im Auge des Betrachters, ‘nuf said) und um die für den Segelsport wichtigen Winde am Meer nicht zu stark zu beinflussen. Als Nebenwirkungen wurden aber das Verschwinden des Nudistenabschnitts am Strand von Sant Sebastià und der Angler an der Mole in Kauf genommen. Mehr Infos gibt es bei der Facebook-Gruppe “Grup Terrorista Anti Hotel Vela”.
Ein wenig mehr on topic: Maßnahmen
Die Tourismusverantwortlichen der Stadt sind ob der aktuellen Zahlen zum handeln aufgerufen. In den Maßnahmen eingeschlossen ist der Zulassungstopp für neue Hotels in der Altstadt. Dort gibt es 214 Hotels mit 17.922 Betten. Also doch ein Überangebot? Wenn nicht, warum betrifft der Stopp der Zulassungen auch Apartmenthotels, Pensionen und Ferienwohnungen? So nachzulesen auf BCN.cat.
Hat jemand mehr erwartet? Preissenkungen gibt es ja schon. Bereits im Februar verhandelten die Betreiber der Hotels mit deren Besitzern Preisnachlässe bis zu 35%. Aus den 6% – 8%, welche ein Besitzer vom Zimmerpreis einnimmt werden wohl um die 4%. Ob sich die Betreiber damit sanieren oder den Preisnachlass an die Kunden weitergeben, können andere evtl. beantworten. Gibt es schon “super ofertas”, also Sonderangebote für Hotelzimmer in Barcelona?
Interessantes zum Abschluß
Nun, die Gelassenheit des oben bereits erwähnten Herrn Jordi Clos kann man nachvollziehen: Weiss man, dass er nicht nur Präsident des Hotelgremiums Barcelona, sondern auch Patron der Derby Hotels ist und des weiteren mehr als 100 Ferienwohnungen (davon mehr als 20 Wohnungen im Stadtteil Born) besitzt und demnächst weitere 25 im Poble Nou in eröffnen wird.
Die Gesellschaft “Inversiones Turísticas y Comerciales” wo neben Jordi Clos (Derby Hoteles) auch Joan Gaspart (Präsident von Turísmo Barcelona, Besitzer von HUSA), Jordi Mestre (Expohoteles-Besitzer) auch Organisationen wie das Gremium Restauración de Barcelona, die Asociación de Agencias de Viajes Catalana sowie Turismo de Barcelona vertreten sind, hat gerade 20 Millionen Euro in Spanair investiert. Sowas nennt man auch Kapitalstreuung bzw. in diesem Zusammenhang Risikostreuung.
¹ Die Zahlen variieren je nach Quelle, die Tendenz ist aber deutlich zu erkennen. Quellen: Cincodias vom 13.2.2009, El País vom 23.2.2009, bcn.cat am 1.4.2009, ADN 20., 21. und 25.5.2009


Wieder mal ein guter voller interessanten Daten. Hatte mich schon lange gefragt was das für ein Hotel wird. Halt mich mit deinen spannenden Blogartikeln auf dem Laufenden, da ich kaum sp. Zeitungen lese. Beste Grühsse
Hi Björn, gerne!
[...] Hotel “Vela” 5 Sterne, 473 Zimmer, riesen Polemik, exklusive Lage am Meer, Eröffnung am 1. Oktober 2009. Die Vorstellungsgespräche wurden übrigens [...]
Ja. guter Bericht, aber es kommt doch irgendwie der Verdacht auf, dass die Jungs von Aspasios dir nen Zehner zugesteckt haben :-)
Yo, für ‘n Zehner würde ich niemanden empfehlen – ich muss von der Sache schon überzeugt sein und der Service muss nachgewiesenermaßen auch stimmen.
[...] der geplanten 215 km Tempo 30 Zone mit seinem Batmobil fest… Der FC Barça siegt – der Tourismus kriselt. Das wird 2010 wohl nicht [...]